Médoc-Marathon

Ein Laufbericht von Christoph Hoffmann

 

Was anderenorts gemeinhin Pasta Party genannt wird, nennt sich im Médoc "Abend der Tausend Nudeln".
Zu den Klängen von großen Jagdhörnern werden im Anblick des vom Abendrot beleuchteten Chateaus zunächst mehrere fruchtig frische Chardonays mit etwas Salzgebäck als Aperitif auf der grünen Wiese gereicht . Man unterhält sich im Stehen im internationalen Pulk, wie auf einer Cocktailparty, bevor dann von den rund 1500 Gästen das Zelt gestürmt wird. Wir staunten doch gewaltig, welches Niveau hier geboten wird: gedruckte Menükarten, drei Porzellanteller, mehrere Bestecke und mehrere Weingläser pro Person. Als Vorspeise wurde 2003 serviert Nudelsalat mit Käse, dann als erstes Hauptgericht Spaghetti mit Meeresfrüchten, zweites Hauptgericht Macaroni mit Kalbfleisch in weißer Soße, als Magenschließer Käse mit Weingelee, und als Dessert eine Petite Crème de Phélan Ségur. Letzteres eine Erfindung des ausrichtenden gleichnamigen Weingutes. Es waren hauchdünne Suppennudeln versteckt in einer Art "Creme Caramel". Neben zahlreichen hochkarätigen, aber jüngeren Rotweinen aus dem Médoc, die während des Essens verkostet werden konnten, war der Höhepunkt der Getränke jedoch der 94-er Saint-Estèphe des Chateau Phélan Ségur.

Wo Wein im Spiel ist, darf Gesang nicht fehlen. Jede im Zelt vertretene Nation leistet einen musikalischen Beitrag, der von der stetig im Hintergrund spielenden Jazz-Band begleitet wird. Von österreichischem Schuhplattler über eine Gruppe aus Köln, die mit einer Perkussion zu Queens "We will rock you" das Zelt zum Beben brachte, über diversen französischen Lokalkolorit hin zu ungewohnten Klängen aus Japan.

Jedes Jahr wechselt das ausrichtende Château und der ausrichtende Ort. Wer keine Karten mehr zur Pasta Party bekommt, dem wird Essen am Ufer der Gironde von der Rugbymannschaft des Ortes angeboten, wo anschließend, wie auch im Pasta Zelt, die Orchester zum Tanz aufspielen. Schwer, sich in Erinnerung zu halten, dass man am nächsten Morgen einen Marathon bestreiten wollte. Doch auch das geht und zwar auf die entspannte Art.


 
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