Genusslauf 2019 - Отчет

Ob es nun an den restlos leergefegten Tellern bei der Pasta-Party am Vorabend oder doch an den himmlischen Beziehungen des an allen Genussläufen stets als Moses verkleideten Dan aus Nancy lag – wir werden es wohl nie endgültig klären können. Jedenfalls blieb das Wetter entgegen aller Vorhersagen weitgehend trocken und angenehm, vielleicht etwas kühl. Mit über 1.400 Teilnehmenden erlebte auch die 19. Auflage des Genusslaufes Rekordzahlen und viele sonnige Momente, mit ca. 10 Grad bot der Lauf fast ideale Bedingungen und die Stimmung hätte nicht festlicher sein können. Dazu wurde auch ein Uralt-Streckenrekord geknackt!

12 Uhr mittags

Gegen Mittag nimmt die Betriebsamkeit im Eichwaldstadion an jedem Genusslauf markant zu. Dank vieler emsiger Helferinnen und Helfer sind nun alle bereit, die Massen strömen ins Stadionareal. Innerhalb weniger Minuten überschlagen sich die Ereignisse, die Party beginnt. Kurz vor 12 Uhr war der erste Lauf schon zu Ende, bevor auch nur ein einziger Startschuss gefallen war: 11 wackere, morgens um 6 Uhr in Freiburg gestarteten Charity-Läufer erreichten nach 42.2 km ihre erstes Etappenziel: den Start des Genusslaufs – vielen Dank an die Mon-Devoir-Laufgruppe, die mit ihrem Marathon wieder einmal gut 500.- für ihre Schule in Togo eingesammelt hat und uns bereits zum 6. Mal beehrte. Zudem eine ökologisch absolut korrekte Anreise! Der spätere Viertelemarathon dient ihnen stets zum auslaufen und geniessen.

Rennende Saunen neben dampfendem Vesuv

Gerade noch rechtzeitig konnte Punkt 12 Uhr die Wildschweinjagd der 160 begeisterten Nachwuchsläufer/innen eröffnet werden. Und schon eroberten die wildesten und schrillsten Gestalten die Bühne: der Catwalk der kostümierten Läuferschar wurde eröffnet. Selten war so viel Show geboten, der Einfallsreichtum kannte keine Grenzen – Jahr für Jahr nimmt die Anzahl verkleideter Läufer/innen und mit ihr die Stimmung im stets sehr gut gefüllten Rund um die Bühne zu. "Some like it hot", so das Motto der Veranstaltung 2019, war offensichtlich bestens geeignet, die Fantasie unserer Gäste anzuregen. Und die Veranstalter zeigten sich selbst überrascht, welch vielseitige Assoziationen sich so offenbarten.
Gleich zwei Läufer, Thomas und Yannick, präsentierten sich unabhängig voneinander in aufwendig gebauten Laufsaunen, mit welchen sie den kühlen Temperaturen trotzten und nebenbei die beiden ersten Plätze im Kostümwettbewerb in der Einzelwertung belegten. Und sie schafften es tatsächlich, ihre Saunen mehr als 10 km durch die Weinberge laufend zu transportieren.
Mit gewaltigen Choreographien und eigenem Soundtrack rockten anschliessend mehrere bunte Gruppen die Bühne, auf der sie ihre Kreationen zum Motto "Manche mögen's heiss" vor annähernd 1.000 Zuschauern präsentierten. Ganz vorne in der Wertung: die Weiler Laufgruppe, zuletzt noch im Ferrari unterwegs, dieses Mal auferstanden aus den Ascheschichten Pompejis. Aus dem mitgebrachten und über die Strecke transportierten Vesuv zogen garstig riechende Schwefelwolken. Unsere Nürnberger Lauffreunde, die fidelen und trinkfesten Granatäpfel, bezogen das Motto auf die im Wägelchen über die Genusslaufpiste gezogenen frisch gegrillten, köstlichen Rostbratwürstchen.
Ein alljährlicher Höhepunkt war auch dieses Jahr der Auftritt der als Pinguine und Eisbären verkleideten gut 15 Mon-Devoir-Läufer/innen. Erschwertes Laufen, in Eisschollen eingezwängt. Der Bezug zum Motto? "Some like it hot – some not" – so erfuhr man auf einem zum Showende aufgerollten Transparent. Endlich kamen dann mit der Müllheimer Gruppe "We like it hot" auch noch ein paar Marilyns auf die Bühne; Marilyn Monroe war ja – dies für alle jüngeren Jahrgänge - die zentrale Figur in der klassischen Billy Wilder-Komödie, neben Jack Lemmon und Toni Curtis. Auch "Häufig läufig" gefiel, ebenso die Schwarzwälder Waldhaustruppe mit ihrem Slogan "Wir laufen nicht – wir HOPFEN nur".

Der Halbmarathon: Das Stephanie-Triple oder schneller denn je!

Dass um 13 Uhr wie geplant "Deutschlands schönster Halbmarathon" überhaupt gestartet werden konnte, verdanken wir der Feuerwehr Müllheim um Holger Höflin. Am Vortag war eine Passage der Laufstrecke in den Rebbergen noch mit Schlamm übersät und quasi unpassierbar. Die Feuerwehr spritzte den Weg nicht nur frei, sondern schickte am Lauftag zudem eine ganze Kompanie uniformierter Mitglieder im Rennen über die Strecke. Wäre es also zu "hot" geworden mit all den Vesuven und überhitzten Saunen oder Läufer/innen – die Löscheinheiten wären sofort zur Stelle gewesen.
Als sich in der Woche vor dem Start Stephanie Doll – gerade Dritte bei der deutschen Halbmarathon-Meisterschaft geworden, deutsche Starterin bei der Berglauf-WM und Freiburg-Marathon-Gewinnerin aus der berühmten Schwarzwälder Doll-Dynastie – für den Halbmarathon einschrieb war eigentlich klar, wer den Lauf bei den Frauen gewinnen würde. Dass sie aber beim ersten Start auf unbekanntem Terrain gleich so dominieren würde und nebenbei mit 1:18:30 den Streckenrekord von 2004 gleich um fast 4 Minuten verbessern sollte, überraschte uns dann aber doch. Noch grösser war das Erstaunen der beiden Zieleinlauf-Moderatoren als mit Stephanie Schmitz-Weckauf auf Platz 2 und Stefanie von Mechow, der Berliner Vorjahressiegerin, das Steph(f)anie-Triple vollendet wurde, ein einzigartiges Kuriosum mit sporthistorischen Dimensionen!
Schneller als Stephanie Doll waren im gesamten Feld übrigens nur zwei männliche Starter! Der Sieger hiess beim 4. Start zum 4. Mal Fritz Koch. Auch er erzielte seine bislang beste Zeit in Müllheim. Mit 1:12:40 war Fritz beinahe 4 Minuten schneller als im heissen Vorjahr, und das auf einem durch die Regenfälle aufgeweichten Untergrund. Vielleicht kann er ja beim nächsten Start den seit 2003 bestehenden Streckenrekord von Hartwig Potthin (1:10:10) angreifen. Wenn er sich erneut um 4 Minuten steigert, wird er dies ganz locker schaffen! Auf Platz 2 abonniert ist unser treuer Dauerstarter Robert Krinke (1:18:08), dem wir den Sieg unbedingt auch einmal gönnen würden. Mit dem Dritten Tobias Schmechel ergab sich der exakt gleiche Zieleinlauf wie schon 2016.

Der Viertelemarathon, ein wahrer Genusslauf

Mit über 900 angemeldeten Läuferinnen und Läufern entwickelt sich unser "10er" zunehmend zur allgemeinen Lieblingsdisziplin. Angesichts des Geländeprofils und der unbändigen Freude am Genuss ist es auch leicht nachvollziehbar, dass sich nicht alle die 370 Höhenmeter der Königsdisziplin Halbmarathon zutrauen. Bei Alphornklängen und Britzinger Gutedel labten sich viele Genusssuchende bereits bei Km 3. Die Station Vogesenblick bei km 6 servierte "volle Kanne bei Susanne" – u.a. gab es dort Dörflingers spritzigen Weissburgunder, dazu Musik vom Trio Brioche. Km 13, der Blauenblick, bleibt exklusiv den Halbmarathoni vorbehalten – hier wurde der "Wundertee mit Zauberfee" mit grazilem Grauburgunder aus dem Hause Blankenhorn ergänzt. Kein Halten gab es wie all die Jahre bei km 8/18 am Markgräflerblick, an welchem trotz gewaltiger Mengen nach oben transportierter Rebensäften gegen Ende doch tatsächlich H. Schlumbergers Spätburgunder zum Leid der am Schluss des Felds trabenden Genussläufer/innen schon ausgegangen war. Doch auch in dieser Disziplin wurde nicht nur genossen, sondern es gab auch tolle sportliche Leistungen: Bei den Damen siegte Melanie Pilleron aus Belfort in 45:50 vor der zuletzt vier Mal in Folge siegreichen Karin Kramer (47:15), die sich über ihren zweiten Platz aber ebenfalls sichtlich freute. Dritte wurde Theda Leiseder aus Neuenburg in 50:12. Mit Dominik Meier aus Badenweiler siegte der Titelverteidiger in sehr guten 38:11 vor dem Neuenburger Ralf Grommek (39:42), dem der Elsässer Boris Hammouda (40:01) als Dritter dicht auf den Fersen war.

Das Finale

Im grossen Rund des Eichwaldstadions herrschte ausgelassene Feststimmung, als nach und nach gut 1.200 Läufer/innen im Ziel eintrafen. Hier wurden die Kalorienverbrennung gemessen, im Helioszelt getaped und massiert, Siegerfotos aufgenommen und vor allem gefeiert. Überall strahlende Sieger/innen! Grosser Andrang herrschte an den Verpflegungszelten, wo es frisches Obst, Tee, Säfte, Gemüse-Consommé und 5.000 leckere Canapés gab. Dazu floss der feine Jahrgangs-Sekt unseres Sponsors und Vorstands, von Claudia und Ulle Bernhart Schlumberger, in Strömen. Ein kleiner Strom tropfte dann pünktlich zur Siegerehrung am Ende doch auch noch vom Himmel – aber was war das schon angesichts aller Prognosen. Nach einem langen Abschied und dem Abbau eines grossen Teils der Infrastruktur klang der Genusslauf 2019 beim genussvollen Walking Dinner im "Messer & Gradel" in Müllheim festlich aus.

Lokal, überregional, international

Beeindruckend liest sich inzwischen die Anmeldeliste für den Genusslauf: Ganz Deutschland ist vertreten, ob Hamburg, Kiel, Leipzig, Frankfurt, Bonn oder Berlin. Dazu kommen mehr und mehr Menschen aus dem benachbarten Dreileckand, vor allem, so scheint und klingt es im weiten Rund, aus der Schweiz. Und natürlich aus Frankreich, wo unser Verein durch seine Mitgliedschaft als einziger deutscher Lauf in der Genusslaufserie "Challenge de la convivialité" sehr gut mit den übrigen 19 französisch-belgischen Läufen vernetzt ist. Dieses Jahr erstattete uns u.a. eine Gruppe von einem der Läufe aus Rochefort du Gard bei Avignon einen Besuch ab. Mehrere Läufer/innen waren aus dem oberitalienischen Piemont angereist. Die längsten Distanzen aber legten Amanda aus Peru, Orlando aus Venezuela und Scott aus Neuseeland zurück. Klasse!

Das Vorspiel

Angefangen hatte das lange Wochenende für so manche allerdings bereits am Müllheimer Weinmarkt, der alljährlich stets am Freitag vor dem Genusslauf stattfindet – eine lohnende Überlegung für nächstes Jahr für alle, die das bislang verpasst haben. Hier bietet sich die Chance, hunderte der besten Markgräfler Weine zu verkosten. Der offizielle Start erfolgte wie immer am Samstag mit dem stets sofort ausgebuchten Degustationsläufchen. Neben den fast immer gleichen Begleitläufern des Vereins hat sich auch hier eine kleine "Stammkundschaft" herangebildet – man freut sich gegenseitig auf das Wiedersehen. Dieses Mal führte der Lauf über knapp 5 km durch die Reben am Müllheimer Reggenhag nach Auggen zu den dortigen Winzergenossen, einem der vielen Sponsoren, ohne die unsere Veranstaltung niemals stattfinden könnte! Die feuchtfröhliche Runde – das Feuchte von oben kam übrigens erst auf den letzten paar hundert Metern, ansonsten beleuchtete die Sonne vor dunklen Wolken eindrucksvoll die Reize der Landschaft– hatte sichtlich Spass an der unterhaltsamen und informativen Führung und Verkostung von Thomas Basler, dem Geschäftsführer.
Gerade noch rechtzeitig kam die Laufgruppe, nach kurzer Dusche und dem Wechsel in die Abendgarderobe, zur Pasta-Party. Diese fand wieder wie früher im gemütlichen "Warteck" bei Ute in Niederweiler statt. Es gab prima Pasta und danach eine wilde Tanzparty mit DJ Lurchi, der es schaffte, vom ersten Song an die Tanzfläche zu füllen. Wer das verpasst hat, mag vielleicht ein paar Sekunden schneller gelaufen sein am nächsten Tag, hat aber mit Sicherheit einen der stimmungsreichen Höhepunkte verpasst.

Gute Aussichten auf den 20. Genusslauf 2020 und ein Dankeschön

Nächstes Jahr geben wir Euch eine neue Chance: für Sonntag, 26. April, laden wir Euch schon jetzt ganz herzlich ein zu unserem 20. Genusslauf – merkt Euch das doch bitte unbedingt schon vor!
Zum Abschluss möchten wir uns bei all den vielen von fern und nahe angereisten Genussläufer/innen bedanken! Ihr habt für eine fantastische Stimmung gesorgt! Manchmal fühlen wir uns schon als Teil einer riesigen Familie. Möglich ist das natürlich nur dank der vielen, teilweise während des ganzen Jahres engagierten Vereinsmitglieder und der unzähligen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Auch Euch gebührt ein herzliches Dankeschön!
Und wenn Ihr nicht ein ganzes Jahr warten wollt und Lust auf weitere genussvolle Laufveranstaltungen habt, schaut gerne mal auf die gemeinsame Website mit unseren französisch-belgischen Lauf-und Genussfreunden: http://challengedelaconvivialite.fr/ . Im September wird übrigens eine grössere Delegation von uns die Mutter aller Genussläufe absolvieren, den Médoc-Marathon. Vielleicht sehen wir uns dort, ansonsten sicher wieder 2020 zum 20sten Mal in Müllheim.

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